|
|
|
Chronik des CGT Lampertheim Drei Jahre nach Kriegsende, als noch alles in Schutt und Asche lag und Schmalhans noch Küchenmeister war, wollten die fastnachtsbegeisterten Mitglieder der Turnergemeinschaft närrische Traditionen aus alten Zeiten neu beleben. In Erinnerung daran, dass bereits 1925 und 1926 Karnevalssitzungen stattgefunden hatten, gelang den Sportlern 1948 ein bescheidener Neuanfang. Sie organisierten eine Rosenmontagssitzung und eine Damensitzung. Schon zwei Jahre später hatten die Fastnachter mit drei Maskenbällen großen Erfolg, die im Abstand von jeweils 14 Tagen veranstaltet wurden. "Südseezauber", "St. Pauli" oder "Auf der Alm", jede Veranstaltung hatte ein eigenes Motto. Das eigentliche, bis heute bestehende und in wechselnder Besetzung agierende Carnevals Gremium des Turnvereins wurde 1950 geboren. Geprägt wurde das frisch gebackene CGT von drei Vereinsmitgliedern, die es mit großem Engagement verstanden ihre Begeisterung am närrischen Spiel auf viele Vereinsmitglieder und ganze Familienverbände zu übertragen und sie mit dem Virus "Karneval" zu infizieren. Die Männer der ersten Stunde waren Karl Mahla, Josef Mandel und Rolf Wilbert.
Von Anbeginn hatten die Narren keine Schwierigkeiten in Lampertheim Fuß zu fassen. Mit ihren stets ausverkauften Veranstaltungen machte sich das Carnevals Gremium schnell einen guten Namen - auch über die Stadt hinaus. Bis in die heutige Zeit hat sich daran nichts geändert. Volle Hallen sind eine Selbstverständlichkeit für den Verein. Vielleicht auch deshalb weil das CGT stets einer Tradition gerecht blieb: "Dem Karneval Marke Eigenbau". Vereinsinterne Büttenredner, Gesangsgruppen und Solisten, etliche Tanzensembles, kreative und technisch begabte Köpfe, die im Hintergrund wirken: Durch ihre engagierten und begabten Eigengewächse stehen die Turner mit der Narrenkappe großen Fastnachtsvereinen in nichts nach. Jahrzehntelang zelebrierten die Fastnachter ihre Karnevalsveranstaltungen in der rustikalen Jahnhalle in der Blücherstraße. Um- und Aufbruchsstimmung herrschte in den Reihen der athletischen Gemeinschaft, als der Verein 1980 vor die Tore Lampertheims in den Osten der Stadt zog. Nicht viele Vereine können eine eigene Halle dieser Größenordnung ihr eigen nennen. Doch gerade der karnevalistischen Abteilung bereitete der Umzug in die riesige Mehrzweckhalle zunächst Kopfzerbrechen. Mussten sie doch was Technik, Beleuchtung und Kulissenbau angeht, umdenken. Inzwischen hat sich alles eingespielt und auch in die nächste Kampagne gehen die Aktiven mit karnevalistischem Hochdruck ans Werk. Bei den rund 90 Aktiven, die den Programmablauf vor und hinter der Bühne bestimmen und den 30 Helfern hinter den Kulissen, bleibt nichts dem Zufall überlassen und der Programmablauf ist bestens organisiert. "Alle für einen, einer für alle", gemäß diesem Motto, herrscht bei den Vereinsaktiven Einklang und Gemeinschaftssinn. Beispielshalber hat jedes Mitglied des hohen Elferrates einen eigenen Aufgabenbereich. Von verschiedenen Kommissionen werden die einzelnen Programmpunkte nach strengen vereinsinternen Qualitätsmaßgaben begutachtet und bewertet. Wohl wissend, dass zum Karneval Toleranz und Bereitschaft gehören, jeden nach seiner Fasson leben zu lassen, gingen die umtriebigen Fastnachter in den 80. Jahren, ohne zu zögern, neue Wege. Um den Sitzungskarneval noch lange am Leben zu erhalten, wurde einiges an altem Ballast abgeworfen. Zum Beispiel lockerten die sportlichen Jecken die einstmals strenge Kleiderordnung und integrierte die Jugend als Fundament künftiger Erfolge. Seit es Karnevalsgesellschaften und Komitees gibt, gibt es auch Präsidenten. Ihr anspruchsvoller Titel war in früheren Zeiten als Persiflage des Regierungschefs gedacht. In Wahrheit sind es meist die Präsidenten, die ihren Verein prägen und dem närrischen Spiel Regeln und Richtungen geben, Termine fixieren, Unkosten verteilen, Kontakte pflegen und Aufgaben vergeben: Hinter dem Glanz des Titels also steckt jede Menge Arbeit und großes Engagement. Die närrische Hierarchie kennt verschiedene Organisationsformen: Präsidenten, die zugleich Verein und Elferrat vorstehen oder auch Sitzungspräsidenten, die während der großen Sitzung das Narrenzepter schwingen, dazu noch Vize- und an manchen Orten Senatspräsidenten. An seiner Seite hat der Präsident seine Minister, die Herren des hohen Elferrates. Auch beim Rückblick auf die über 60-jährige Narretei beim Carneval Gremium des TVL wird offenkundig, dass das närrische Gremium seit seinem Bestehen durch das Engagement seiner Sitzungspräsidenten und Präsidenten (Abteilungsleiter) maßgeblich geprägt wurde. 1948, hieß der erste Mann im Narrenreich Karl Mahla, er war kein gewählter Sitzungspräsident, nichtsdestoweniger oblag dem gestandenen Fastnachter die Gesamtleitung der närrischen Abteilung. Ernannte Sitzungspräsidenten waren danach: Rolf Wilbert (1949-1954), Franz.Berg (1955-1956), Karl Weidenauer genannt "Schnorres" (1956-1973), Heiner Veltman sen. (1974-1980). Ernst Legleiter (1981-1985), Adolf Nalbach (1986-1994), Klaus Veltman (1995), Uwe Seelinger (1996) und Heiner Veltman jun. (1997-2010). Seit 2011 heißt der Sitzungspräsident der fastnachtsbegeisterten Turner Lutz Strubel, der dieses Amt schon kommissarisch im Jahr 2009 übernommen hat. Tragende Säulen der Sitzungsfastnacht beim CGT sind die gewählten Präsidenten oder Abteilungsleiter: von 1948 bis 1949 war Karl Mahla Abteilungsleiter und hatte die Gesamtleitung, Josef Mandel (1950-1962), Rudolf Röhrig (1962-1976), Heiner Veltman (1976-1981), Ludwig Bock (1981-1992), Ludwig Seelinger (1992-2002). Seit 2002 ist Roland Ihrig der Abteilungsleiter des CGT. Beim Carnevals Gremium des TVL laufen die Vorbereitungen für den CGT Night Club und die große Prunksitzung immer auf Hochtouren. Zur Narretei im Festgewand gehören aber auch wochenlange Programmgestaltungsdiskussionen, Vorbesprechungen bis in die Puppen, der Schweiß der Kulissenbauer, monatelange Trainingsarbeit der Tänzer und die nächtelang strapazierte Geisteskraft der Reimer, Dichter und Sänger. |